Die Geschichte der romanischen Sprache | Lia Rumantscha

Artikel - Die Geschichte der romanischen Sprache

Die Geschichte der romanischen Sprache

Das Romanische ist eine von 60 regionalen Sprachen resp. Minderheitensprachen, die zurzeit in Europa gesprochen werden. Es hat sich wie alle anderen romanischen Sprachen aus dem Lateinischen entwickelt.

Romanische Sprachen

Die Römer herrschten bis zum 5. Jahrhundert nach Christus über weite Teile Europas. Das Volkslatein der römischen Soldaten, Beamten und Kaufleute breitete sich aus und verschmolz mit den bestehenden Sprachen. Daraus entstanden in unterschiedlichen Zeiträumen und unter vielschichtigen Umständen die verschiedenen romanischen Sprachen, darunter auch das Romanische.

Die Romania umfasst das von den Römern zu Beginn des dritten Jahrhunderts n. Chr. eroberte und im Ansatz romanisierte Gebiet. Das Volkslatein der römischen Soldaten, Beamten und Kaufleute breitete sich aus und verschmolz mit den bestehenden Sprachen. Daraus entstanden in verschiedenen Zeiträumen und unter verschiedenen Umständen die folgenden romanischen Sprachen: Portugiesisch, Spanisch, Katalanisch, Aragonisch, Asturianisch, Galizisch, Okzitanisch, Französisch, Frankoprovenzalisch, Romanisch, Dolomitenladinisch, Friaulisch, Italienisch, Sardisch, Korsisch, Dalmatisch (eine seit 1898 verschwundene Sprache auf dem Gebiet des heutigen Kroatien und Montenegro) und Rumänisch.

Aufgrund des Verwandtschaftsgrades kann die Romania in drei Hauptteile gegliedert werden: Westromania (Iberoromania, Galloromania, Rätoromania und Norditalien); Ostromania (Mittel- und Süditalien, Dalmatien und Rumänien); Sardinien.
 

Die Romania zu Beginn des dritten Jahrhunderts nach Christus:

  1. Westromania
  2. Ostromania
  3. Sardinien
  4. unvollständig romanisierte Gebiete

Survista da la Romania veglia.

Die aktuelle Romania

  1. iberoroman
  2. galloroman
  3. occitanoroman
  4. retorumantsch (italoroman)
  5. talian (italoroman)
  6. sard (italoroman)

     7a. dacorumen (Rumänien und Moldavien, balcanoroman)
     7b. aromunic e meglenorumen (balcanoroman)
     7c. istrorumen (balcanoroman)

Survista da la Romania actuala.

Aus dem Latein, dem vielschichtigen Träger der griechisch-römischen und der christlichen Kultur, entwickelte sich durch lautliche, morphologische und syntaktische Verschiebungen und Ersetzungen allmählich eine Reihe von regional, national oder transnational bedeutenden, mehr oder weniger standardisierten romanischen Sprachen:

Survista da la genealogia da las linguas romanas.

Der Begriff «Rätoromanisch» hat im Wesentlichen zwei Bedeutungen. Im allgemeinen Sprachgebrauch der Schweiz dient er – neben Ausdrücken wie «Romanisch» oder «Bündnerromanisch» – zur Bezeichnung der neben dem Italienischen zweiten in Graubünden gesprochenen romanischen Sprache.

Daneben hat der Begriff «Rätoromanisch» aber auch seit mehr als 100 Jahren eine rein wissenschaft¬liche Bedeutung und ist in genau dieser Verwendung mit dem italienischen Wissenschaftsterminus «ladino» synonym. Man versteht darunter seit 1883 (Theodor Gartner) eine Sprachgruppe («unità»), welche die in Romanischbünden, der Dolomitenladinia und in Friaul gesprochenen romanischen Idiome umfasst. Diese ursprünglich bereits 1873 von Graziadio Isaia Ascoli in Umlauf gesetzte Gruppendefinition beruht auf der Vereinigung («particolar combinazione») der Verbreitungsgebiete einer von Ascoli kanonisch festgelegten Anzahl (inner)linguistischer Merkmale. Seit etwa 1910 wird diese Auffassung vor allem von italienischen Forschern aus unterschiedlichen Motiven (Nationalismus, Divide-et-impera-Politik, semantische Missdeutung des Begriffs «unità» als «Einheitlichkeit» anstatt von «Gruppe» etc.) bekämpft bzw. in Zweifel gezogen. In dieser Optik werden das Bündnerromanische und das Dolomitenladinische als konservative Ausläufer des Lombardischen bzw. des Venedischen betrachtet, wäh¬rend dem Friaulischen bisweilen sogar der Status einer autonomen romanischen Sprache zugeschrieben wird. Jüngere, mit sprachstatistischen Mitteln (Dialektometrie) vorgenommene Klassifikationen scheinen die Adäquatheit der Ascoli-Gartner-Definition vollinhaltlich zu bestätigen.

Bündnerromanisch, Dolomitenladinisch und Friaulisch

  1. Bündnerromanisch (ca. 60'000 Sprecherinnen und Sprecher)
  2. Dolomitenladinisch (ca. 30'000 Sprecherinnen und Sprecher:
  3. Grödnertal, Gadertal und Enneberg; Provinz Bozen/I; Fasstal; Provinz Trento/I; Buchenstein und Ampezzo; Provinz Belluno/I)
  4. Cadorisch
  5. Comelisch
  6. Friaulisch (ca. 500'000 Sprecherinnen und Sprecher: autonome Region Friuli-Venezia-Giulia)

Survista da la Rätoromania.

Bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts hat die Sprachwissenschaft die Autonomie des Romanischen anerkannt. Trotzdem hat es nie an Stimmen und Meinungen gefehlt, die dem Roma­ni­schen den Charakter einer selbständigen Sprache absprachen. Der erste heftige Einspruch wurde mitten im ersten Weltkrieg in Kreisen italienischer Sprachforscher erhoben. Die These, dass das Bündnerromanische als eine dem Alpinlombardischen nahe verwandte Mundart zu betrachten sei, konnte von den führenden Schweizer Romanisten als einseitig und tendenziös widerlegt werden.

Für die Frage, ob das Romanische ein italienischer Dialekt sei oder eine eigene romanische Sprache, ist nicht der grössere oder kleinere Abstand zwischen bündnerromanischen und alpinlombardischen Dialekten ausschlaggebend. Entscheidend ist vielmehr das Selbstverständnis der Bündner Romanen, das auf der historisch-kulturellen Eigenentwicklung Graubündens beruht.
Die Übersicht illustriert Gemeinsamkeiten und Unterschiede einiger romanischer Sprachen sowie die Originalität des Romanischen innerhalb der Romania.

Tratgs cuminaivels e differenzas da las linguas romanas.

Leclerc, J., L'aménagement linguistique dans le monde, Québec, Université Laval. Disponibel sin: http://www.axl.cefan.ulaval.ca/ (ultim access: 15-6-2015)

Paul, L. M., Simons, G. F., Fennig, C. D., Ethnologue: Languages of the World, Seventeenth edition, Dallas, Texas, SIL International. Disponibel sin: http://www.ethnologue.com (ultim access: 15-6-2015)

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Goebl, H., Methodische und wissenschaftliche Bemerkungen zum Diskussionskomplex «Unità ladina», en: Ladinia 14 (1990), 219 – 257

Goebl, H., Giovan Battista Pelegrini und Ascolis Methode der «Particolar combinazione» …, en: Ladinia 23 (1999), 139 – 181

Haarmann, H., Kleines Lexikon der Sprachen, C.H. Beck, Minca 2001

Haarmann, H., Lexikon der untergegangenen Sprachen, C.H. Beck, Minca 2002

Holtus, G. et al. (eds.), Lexikon der Romanistischen Linguistik, 8 toms, Max Niemeyer, Tübingen 1988 – 2001

Liver, R., Rätoromanisch, Gunter Narr Verlag, Tübingen 1999 (cun bibl.)

Sprachminderheiten

Gemäss der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV) gibt es in der Europäischen Union (EU) über 40 Millionen Menschen, die eine Regionalsprache oder eine Minderheitensprache sprechen. Neben den 23 Amts- oder Arbeitssprachen der EU werden in Europa über 60 Regional- oder Minderheitensprachen gesprochen. Diese Sprachen bilden einen untrennbaren Bestandteil des europäischen Kulturerbes. Einige von ihnen gehören zu den ältesten Sprachen der westlichen Welt. Die meisten verfügen über eine reiche kulturelle, literarische und volkstümliche Tradition und sind eng mit Brauchtum und mündlicher Überlieferung verbunden. In beinahe allen Mitgliedstaaten der EU wird zusätzlich zu der im grössten Teil des Staatsgebietes gesprochenen Hauptsprache mindestens eine weitere angestammte Sprache unterschiedlicher Herkunft gesprochen. Es handelt sich um so genannte «weniger verbreitete» Sprachen.

Die Karte bezieht sich auf jene Sprachen Europas, die in ihrem gesamten angestammten Sprachgebiet mehr oder weniger stark bedroht sind sowie auf einige weitere Sprachen, die von manchen ihrer Sprecher als eigenständig wahrgenommen, die allgemein aber als Dialekte betrachtet und behandelt werden.

Survista minoritads linguisticas en l'Europa.

Der Grad der Anerkennung sowie der Förderung des Status und des Gebrauchs einer weniger verbreiteten Sprache ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Oft werden diese Sprachen im Vergleich zu anderen, die in allen Bereichen des öffentlichen Lebens Verwendung finden, nur beschränkt eingesetzt oder an den Rand gedrängt.

Die europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte verbietet in Artikel 14 jede Diskriminierung aufgrund der Sprache oder der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit. 1992 verabschiedete der Europarat, in dem auch die Schweiz Mitglied ist, die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. Ihr Hauptzweck dient der Erhaltung und Förderung der sprachlichen Vielfalt als eines der wertvollsten Elemente des europäischen Kulturlebens. Gemäss Definition erfasst die Charta nur geschichtlich gewachsene Sprachen, die in ihrer Existenz bedroht sind, d.h. Regional- und Minderheitensprachen, die traditionellerweise in einem bestimmten Gebiet von den Bürgerinnen und Bürgern des betreffenden Staates gebraucht werden, deren Zahl kleiner ist als der übrige Teil der Bevölkerung. Sie schliesst weder die Dialekte der Amtssprache(n) noch die Sprachen von Zuwanderern ein.

Der Anwendungsbereich der meisten Schutz- und Förderungsmassnahmen beschränkt sich auf das angestammte Sprachgebiet. Daneben erwähnt die Charta auch das Kriterium der Anzahl von Menschen, die eine Minderheitensprache gebrauchen, welche die Anwendung bestimmter Förderungsmassnahmen auch ausserhalb des traditionellen Sprachgebietes rechtfertigt. Jeder Staat (in der Schweiz jeder Kanton) kann aufgrund seiner spezifischen Situation selber bestimmen, welche Förderungsmassnahmen für welche Sprachgruppen zu treffen sind.

Die Schweiz erfüllt die von der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen geforderten Schutz- und Förderungsmassnahmen. Im September 1997 hat sie die Sprachencharta ratifiziert. Im Herbst 1999 hat der Bundesrat einen ersten Bericht der Schweiz zur Umsetzung der Sprachencharta gutgeheissen und dem Europarat zur Einsichtnahme unterbreitet. Inzwischen gibt es sieben Berichte. Der aktuellste stammt aus dem Jahr 2018.

Cathomas, R., Carigiet, W., Plurilinguitad – ina schanza unica, schulverlag blmv AG, Berna 2008

Romaine, S., Preserving Endangered Languages, Merton College, University of Oxford, Oxford 2007

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Uffizi federal da cultura. Disponibel sin: http://www.bak.admin.ch/ (ultim access: 15-6-2015)

Organisaziun per las minoritads da l'Europa. Disponibel sin: www.eurominority.org (ultim access: 15-6-2015)

Radiotelevisiun Svizra Rumantscha. Disponibel sin: http://www.rtr.ch/dossiers/minoritads-en-l-europa (ultim access: 15-6-2015)