Artikel - Ein Nein für die Zukunft der rätoromanischen Sprache
Ein Nein für die Zukunft der rätoromanischen Sprache
Als Dachorganisation der rätoromanischen Sprachförderung stellt sich die Lia Rumantscha klar gegen die Eidgenössische Volksinitiative «200 Franken sind genug!». Die wichtigsten Gründe für diese Ablehnung sind folgende:
Verringerte Sichtbarkeit des Rätoromanischen
Die Annahme der Initiative hätte ein geschwächtes Medienhaus RTR zur Folge. In der Konsequenz würde die rätoromanische Berichterstattung stark eingeschränkt. Gerade für eine Sprache, die nur von wenigen gesprochen wird, wäre dieser Verlust an Sichtbarkeit äusserst schmerzhaft.
Die Behauptung, private Medienhäuser würden diese Lücke schliessen, ist aus medienökonomischer Sicht nicht haltbar. Entsprechende Investitionen lohnen sich schlicht nicht.
Eine Bühne für die rätoromanische Kultur
Ein geschwächtes RTR hätte zudem weitreichende Folgen für die rätoromanischen Kulturschaffenden. Gerade für sie ist Sichtbarkeit essenziell. So hat RTR in den letzten Jahrzehnten unzählige Chorauftritte, Hip-Hop-Acts oder Orchesterkonzerte aufgenommen, gesendet und archiviert. Mit einem geschwächten RTR würden solche Produktionen künftig kaum noch realisiert.
Besonders betroffen wäre auch der Nachwuchs: Mit der Annahme der Initiative fiele ein grosser Teil der Nachwuchsförderung von RTR weg. Junge rätoromanische Künstler:innen hätten damit deutlich schlechtere Chancen, gehört und wahrgenommen zu werden.
Sprache, Verständigung und Zusammenhalt
Für die Schweiz mit ihren vier Landessprachen ist die Verständigung zwischen den Sprachregionen von essenzieller Bedeutung. Eine massive Reduktion der finanziellen Mittel der SRG würde genau diese Verständigung erheblich beeinträchtigen – und damit letztlich auch unsere direkte Demokratie schwächen.
Gerade in einer Zeit, die von geopolitischen Krisen und von Kriegen, von Fake News und den schwer abschätzbaren Folgen der künstlichen Intelligenz geprägt ist, muss eine solche Entwicklung verhindert werden.
Risiken zentralisierter Investitionen
Bei einer Annahme der Initiative wäre die SRG gezwungen, ihre Investitionen stärker zu zentralisieren, voraussichtlich am Standort Zürich-Leutschenbach. Dies hätte direkte negative Folgen für den Standort Chur, aber auch für die Berichterstattung in den Randregionen.
Insbesondere wäre ein Netz von Journalist:innen im Engadin, in der Surselva oder in Mittelbünden finanziell nicht mehr tragbar – ein Netz, das für eine glaubwürdige und qualitativ hochwertige rätoromanische Berichterstattung unabdingbar ist.
Ein NEIN – für die rätoromanische Sprache
Die Eidgenössische Volksinitiative «200 Franken sind genug!» bedroht die rätoromanische Sprache und Kultur in ihrer Substanz. Für eine Sprache, die von so wenigen Menschen gesprochen wird, wäre der Schaden immens.
Die Lia Rumantscha lehnt die Initiative deshalb klar und entschieden ab.