Eu sun bain eir sco tü / Ich bin doch auch ein Tier
Während in Leta Semadenis Romanen die Lyrikerin unverkennbar ist, kommen in den Gedichten Bilder der Romane zuru¨ck: ein Kind, das traumverloren mit einer Ziege spricht, der alte Mann mit den seidenen Fu¨ßen, der auf die Jagd ging, der Geruch einer roten Schote, der eine Zeitkapsel aufspringen lässt.
Es sind Momentaufnahmen im Hier und Jetzt – ein Gedicht ist mit »Fotografia spontana« u¨berschrieben – oder Streiflichter auf die Kindheit, auf die Bergwelt, wo Rabe, Wolf und Fuchs ein Geheimnis haben. Fast unbemerkt spannt sich der Bogen zu den großen Fragen, den archaischen Zweifeln und den Wundern der Natur, wobei eine Lust am Spiel mit der Illusion und der Sprache immer spu¨rbar bleibt: Vertrautes wird auf den Kopf gestellt, neue Bilder entstehen. Auch eine Anleitung zum Lesen findet sich in dem zweisprachigen Band, der Leta Semadenis schönste Gedichte versammelt:
"Der Esel trägt
die Nacht im Genick
eine Möwe
Und alles
errinert an etwas
und ist es nicht"
detagls davart l’artitgel
cudeschs
2022
tudestg
vallader
Atlantis Verlag
978-3-7152-5013-7